Mystiker des Monats März 2019 bei OFFLine: Die Beginen

Die Frauengemeinschaften wurden im Laufe der Jahrhunderte immer mehr unter die päpstliche Knute gezwungen. Die Amtskirche versuchte zunehmend, Kontrolle über die Beginen zu bekommen, wobei sie auch in den Verdacht kamen, ketzerisches Gedankengut zu verbreiten. 1311 entzog Papst Clemens V. entzog den Beginen auf dem Vienner Konzil 1311 die Anerkennung des laienreligiösen Standes.

Vorerst blieb diese Aberkennung aber ohne Wirkung für das alltägliche Leben, und Mitte des 15. Jahrhunderts stellte Papst Eugen IV. die „rechtgläubigen“ Beginen wieder unter den Schutz der katholischen Kirche – doch die Anerkennung der Beginen als laienreligiöser Stand war umstritten und das Recht auf ökonomische und religiöse Unabhängigkeit mussten sie sich immer wieder erstreiten.

Dennoch existierten die Beginenkonvente in alter Weise weiter – und zwar über vier Jahrhunderte. Allerdings wurden überall die Dominikaner als Inquisitoren eingesetzt (die später auch die systematische Verfolgung und Ermordung hunderttausender, wenn nicht Millionen Frauen als „Hexen“ betrieben). Es ist davon auszugehen, dass im 14. und 15. Jahrhundert auch viele Beginen als Hexen verbrannt wurden, doch gibt es darüber keine Quellen.

Ein Problem war auch die sexuelle Gewalt, die von den Frauen auch thematisiert wurde. Immer wieder mussten sich die Beginen (vor allem diejenigen, die nicht in gemeinsamen Häusern lebten, sondern frei herumzogen) gegen sexuelle Belästigungen sowohl weltlicher als auch geistlicher Männer schützen. Siehe dazu auch das Lied der Begine Anna von Köln:
„Gelaissen had eyn sustergyn
Und sy gink in ihr kemmergyn.
Jesus quam zo ir gegaen
Und wolt ein kosen myt ihr han.
Nu ganck, her Jesus, nu ganck!
Ick han gelaissen und ich bin kranck!“
(zitiert nach Eva Weissweiler)
Frei übersetzt: Eine kranke Schwester geht in ihre Kammer, Jesus kommt zu ihr und will mit ihr kosen, woraus sie ihn mit diesen Worten fortschickt: „Geh weg, Herr Jesus, geh weg, ich bin krank!“
In weiterer Folge dieses Liedes soll sich herausstellen, dass die Schwester die „kranke Seele“ sei, die bei Jesus Trost findet – warum er davor sie bedrängen muss, sodass sie sich gegen seine (sexuellen!) Zudringlichkeiten wehren muss, wird nicht erklärt. Hier geht es ganz eindeutig um sexuelle Gewalt – hier von Seiten der Pfarrer und Priester.