Mystiker des Monats April 2019 bei OFFLine: Symeon Theologos

Nach Symeons Angaben sah er seit etwa 970 das sogenannte Taborlicht. Er führte diese Schau, die grundsätzlich jedem möglich sei, unmittelbar auf die Gnade Gottes zurück. Er erfährt Gott als Licht, nah und unfassbar. Seine Visionen schrieb er in 58 Hymnen nieder.
Staunend fragt Symeon: „Wie sollte ich bei dieser Schau nicht ausser mir sein und überwältigt vom Staunen, wie sollte ich nicht den lieben, der das Leben gibt?“ Dieses Umflutetsein führt zu einer persönlichen Gottesbeziehung, die überall spürbar wird. Diese Beziehung prägt sein Leben, auch wenn er viel Schweres erlebt, Rivalität, Neid und Ablehnung.
Er lässt sich nicht beirren und traut allen Menschen eine Gotteserfahrung zu, die verwandeln kann. Dies ist allerdings kein statischer Zustand, sondern ein lebenslanger Prozess, damit wir werden, was wir sind.
Staunend können wir dann in unserem Lebensweg den Weg Jesu entdecken mit all seinem Lieben, Lachen, aber auch Leiden und Kämpfen. Wir können im Hier und Jetzt diese Wirklichkeit erfahren (alle Mystiker vertrösten nicht auf die Zukunft!) Natürlich kommt es so zu einer Spannung zwischen Amt und Charisma, weil Symeon alle Menschen ermächtigt, Gott in sich zu entdecken. „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde“, sagt schon Athanasios von Alexandria (298 – 373).